Vorwort zur Umfrage "Leben im Pfarrhaus"

Als wir Anfang des Jahres von der Ankündigung durch Landesbischof July lasen, dass die Arbeitsgruppe „Leben im Pfarrhaus“ ihre Tätigkeit aufgenommen hat, waren wir erfreut und überrascht.  Wir begrüßen es sehr, dass das Leben im Pfarrhaus von unserer Landeskirche thematisiert wird. Der Pfarrfrauendienst möchte einen Beitrag leisten zu den Untersuchungen der Arbeitsgruppe, die die Lebensrealität in evangelischen Pfarrhäusern in Württemberg in den Blick nimmt. 

Wer kann besser vom „Leben im Pfarrhaus“ berichten, als die Bewohnerinnen und Bewohner dieses Pfarrhauses? So befragten wir die Ehepartner und Familien von Pfarrern und Pfarrerinnen und ließen sie selbst sprechen.

Wir haben in einer Blitzumfrage unter unseren Tagungsteilnehmerinnen und in unseren Kirchenbezirken die Frauen gebeten, den folgenden Satzanfang zu vervollständigen:„Leben im Pfarrhaus bedeutet für mich...“  Auch die Kinder - bereits ausgezogen oder noch zu Hause - waren gefragt. Abschließend hatten die Frauen noch die Gelegenheit aufzuschreiben „Was ich meiner Landeskirche schon lange sagen wollte...“ 

Wir haben viele interessante Rückmeldungen erhalten. Die Beiträge stellen natürlich kein repräsentatives Umfrageergebnis dar, da wir nicht landeskirchenweit umgefragt haben. Jedoch werden in ihnen durchaus Tendenzen sichtbar. Insgesamt stellen die Rückmeldungen unserer Meinung nach ein durchaus umfassendes Bild der Lebenssituationen der Ehepartner und Familien von Pfarrern und Pfarrerinnen in unserer Landeskirche dar.

Die Umfrageergebnisse haben wir bei unserem diesjährigen Gespräch mit dem Kollegium des Oberkirchenrats vorgestellt und ein aktuelles und lebendiges Bild vom Leben im Pfarrhaus aufgezeigt.

Umfrageergebnisse

  1. Vor dem „Leben“ im Pfarrhaus, kommt das „Wohnen“ im Pfarrhaus

 (wie man schon bei Ikea lernen kann).

Wohnen im Pfarrhaus bedeutet also zunächst, wie ist der Zustand des Pfarrhauses?

-         Handelt es sich um ein staatl. oder gemeindeeigenes Haus?

-         Wurden in den letzten Jahren notwendige Renovierungen durchgeführt, oder wird das Haus sich selbst überlassen?

-         Aus diesen Beobachtungen entstehen grundsätzliche menschliche Bedürfnisse der Gesundheitserhaltung und nach einer allgemein üblichen (dem 21. Jahrhundert angebrachten) Unterbringung.

Diese Bedürfnisse sehen wie folgt aus:

-         ein Pfarrhaus sollte warm und trocken sein, d.h. keine Regentropfen auf den Esstisch, ins Dachgeschoss oder ähnliches.

-         Ein Haus ohne Schimmelbildung und Salpeter o.ä.

-         Frei von PCB, Lindan und ähnlichen Wohngiften im Innenraum, v.a. in den 70-ger Jahren verbaut. Andere Landeskirchen der EKD haben dazu einen Beauftragten, der die Häuser immer, nach einem Stellenwechsel auf diese Chemikalien überprüft.

-         Keine Kabelbrände durch alte elektr. Leitungen.

-         Alte Böden, die nicht mehr zu reinigen sind (Bsp. ein 40 Jahre Linoleumboden) sollten erneuert werden müssen und nicht der Einschätzung und Entscheidung eines  wie auch immer kompetenten (????)  Baubeauftragten des Kirchenbezirks überlassen bleiben.

-         Dach- Fenster-  und Fassadenerneuerung sollte auch in staatl. Pfarrhäusern Pflicht sein, ansonsten haben diese Gemeinden in Zukunft sicher Schwierigkeiten ihre Pfarrstellen zu besetzen. (vgl. warm und trocken, ansonsten erhöhter Flies- Wollpullover und Wollstrumpfbedarf- Förderung durch die Landeskirche???)

 

  1. Leben im Pfarrhaus:

Leben im Pfarrhaus bedeutet….

-         Residenzpflicht (noch zeitgemäß?), Einschränkung der Wochenendgestaltungsfreiheit.

-         Residenzpflicht und Wochenenddienste bedeutet immer viel Lebenszeit für alle Bewohner auf die Gemeinde auszurichten, oder eben ohne die vollständige Familie zu gestalten.

-         Residenzpflicht nicht mehr zeitgemäß, mehr Freiräume einbauen, regelmäßigere freie Wochenenden.

-         bedeutet auch Zufriedenheit oder Unzufriedenheit im Pfarrberuf auszuhalten.

-         Stichwort Personalentwicklung, ist das Papier nicht wert auf dem es abgedruckt ist. Viele durch Berufserfahrungen im Vorfeld des Theologiestudiums werden gar nicht abgerufen, bzw. Kompetenzen entsprechend eingesetzt (anderes Studium, Lehre oder Ausbildung im kaufmännischen Bereich etc.), Habilitierte Pfarrer werden wie Behinderte behandelt (jetzt gehen sie erst einmal in die Gemeinde und zeigen uns, dass sie nicht nur an der Uni geistig „verblödet“ sind).

-         Vgl. Personalentwicklung  im Sinne des kürzlich verliehen Arbeit-Plus-Preises der Firma Kärcher in Winnenden. Hier zeigte sich der amtierende Landesbischof sehr angetan und wollte viele Kriterien des Preises in seiner Landeskirche umsetzten… na dann mal los!!!!

-         Wandelndes Pfarrerbild strahlt auf Familie aus (vgl. Zufriedenheit- Unzufriedenheit), viele Ehrenamtliche Gemeindeverantworliche sehen im Pfarrer mittlerweile den Dienstleister, der ihren Ansprüchen Folge zu leisten hat. (Verschobenes Machtverhältnis von KGR-Vorständen und Pfarrern).

Antwort einer Pfarrfrau

Leben im Pfarrhaus heißt/bedeutet für mich …

  • ein teilweise öffentliches Leben oder doch zumindest unter Beobachtung zu führen, z. B. wie oft ist der Partner im Gottesdienst anwesend. 
  • mich mit Ansprüchen seitens der Gemeinde konfrontiert zu sehen, was sowohl die Arbeit des Hauptamtlichen anbelangt als auch die Erwartungen  an ehrenamtliche Mitarbeit der Familie. Obwohl sich die Situation der Familien deutlich verändert hat und die meisten Ehepartnerl-innen ebenfalls berufstätig sind, ist die Erwartungshaltung immer noch hoch und eine Mitarbeit wird zum Teil noch als selbstverständlich  gesehen. Beim letzten Vorstellungsgespräch meines Mannes wurde sogar abgefragt, wie sich die Ehefrau gedenkt in die kirchliche Arbeit einzubringen.  Nach dem Einzug hatte ich innerhalb von 14 Tagen bereits 7 "Angebote" zur Mitarbeit und Teilnahme. 
  • Da in vielen Häusern noch Gemeinderäume  untergebracht  sind, ein ständiges Ein­-und Ausgehen. 
  • wohnen in einem Haus in dem Denkmalschutz  über gesundheitliche Belange gestellt wird, Stichwort: Schimmel in Schlaf- und Wohnräumen,  der immer wieder nur überstrichen wird. Es wird einem dann noch unterstellt, nicht ausreichend zu lüften. 
  • andere - (der  Kirchengemeinderat, die Kirchenpflegerin)  bestimmen, welche Maßnahmen  im Haus erforderlich sind und durchgeführt werden. Unser derzeitiges Pfarrhaus wurde komplett energetisch saniert. Im Bereich Wasser und Heizung wurden keine Maßnahmen  durchgeführt. Nach einem Jahr mussten dann sämtliche Heizungsventile und teilweise auch Wasserhähne  oder Mischbatterien  ausgetauscht werden, da sie nicht mehr funktionierten bzw. Mängel aufwiesen. Fliesen und Fußbodenbeläge haben wir auf eigene Kosten ändern lassen (Die alten Fliesen waren zwar nicht mehr zeitgemäß, aber noch gut, da muss man nichts machen, lautete der Kommentar bei der Begehung.) 
  • in vorbestimmten Häusern zu wohnen. Als Ehepaar ist unser Bedarf an Wohnraum geringer als die meisten Pfarrhäuser vorhalten. Aus Kostengründen sind Zimmer stillgelegt. Hier in Heidenheim  suchen immer wieder Studenten Wohnraum. Da aber nicht ausreichend  sanitäre Räume vorhanden sind, steht ein gesamtes Obergeschoss  mit 4 großen Räumen (für die es lediglich einen Miniraum mit einem Waschbecken  und WC gibt) leer. 

 

Was ich meiner Landeskirche schon lange sagen wollte

Angesichts der aktuellen Entwicklungen der Landeskirche sträuben sich mir die Haare. Nach wie vor wächst auf dem Land die Arbeitsbelastung  der Pfarrerinnen und Pfarrer mit ständigen Gemeindefusionen und Vakaturen, die von den verbleibenden Amtsinhabern  ohne irgendeinen Ausgleich gestemmt werden müssen. Dabei sind es oft noch die ländlichen Gemeinden, die aktives Gemeindeleben bieten. Ohne hauptamtliche  Betreuung sind diese Strukturen jedoch nur schwer aufrecht zu halten.

Viele der Stellen im ländlichen Raum werden durch Herabstufung der Besoldung noch zusätzlich unattraktiv. Die langen Vakaturszeiten  sollten zu Bedenken geben. Im Ballungsgebiet  Stuttgart ist Vertretung kaum notwendig, Prädikanten müssen schauen, ob sie überhaupt zum Einsatz kommen. Im ländlichen Raum werden teilweise über einen gesamten Monat die Gottesdienste von Prädikanten und Ruhestandspfarrern abgedeckt. Prädikanten oder Ehrenamtliche können aber nicht die Arbeit eines an der Universität ausgebildeten Theologen ersetzen. 

Auch dem Wunsch der Gemeinden, die ja vor allem den Seelsorger vor Ort möchten, wird auf dem Land schon lange nicht mehr entsprochen. 

Wie ist es zeitgleich zu rechtfertigen, dass die Zahl der Stellen in der landeskirchlichen Verwaltung stetig steigt? Die Verwaltungsstellen in den Gemeinden werden konsequent den Gemeindegliederzahlen angepasst, unabhängig davon, ob auch der Verwaltungsaufwand einer Gemeinde sinkt. 

Den Spar- und Streichwahn der Landeskirche  mit dem demographischen Wandel und den zukünftig sinkenden Einnahmen zu rechtfertigen, klingt unglaubwürdig. Momentan ist die Einkommenslage  stabil. Und die Zahl der Kasualien wird auch noch auf einige Zeit hoch bleiben, ebenso wie der Aufwand in Aufgabenbereichen Kinder­ und Seniorenarbeit. 

Ich würde mir wünschen, dass sich die Kirchenleitung wieder auf die Grundaufgaben der Kirche besinnt und die liegt nun mal in der Verkündigung des Evangeliums.

 

Leben im Pfarrhaus bedeutet / heißt für mich ...

  • ... im Zentrum des Ortes zu wohnen, aber auch im öffentlichen Blickpunkt zu sein.
  • ... für die Menschen und ihre Anliegen fast jederzeit da zu sein.
  • ... ein Privileg, das ich, trotz der Nachteile, die dieses Privileg mit sich bringt, gerne annehme
  • ... „öffentliche“ Familie zu sein, jeder kennt den Pfarrer, hat aber auch Vorteile, man wird zuvorkommend behandelt, es wird Anteil am Leben der Familie genommen, mancher mag das nicht.
  • ... dass die Kinder „kein“ zu Hause haben, werden aus ihren Wurzeln entfernt, die Pfarrfrau muss ihre Arbeitsstelle aufgeben (finde ich unzumutbar), weil der Wechsel im Dekanat nicht erwünscht ist!!
  • ... selten privat sein, immer erreichbar. Es heißt aber auch großzügig wohnen.
  • Leben im Pfarrhaus heißt, dass man nicht immer komfortabel wohnt, die Standards nicht immer stimmen und allen Bewohnern mitunter Einschränkungen zugemutet werden.
  • ... Ständig jemand etwas haben will, Anrufe zu jeder Tages- bzw. Nachtzeit, dass plötzlich Menschen  vor der Tür stehen und klingeln. (Pfarrerskind 35 J.)
  • ... Viel Unruhe an Hochfesten, private Feiern nach den Festen der Gemeinde bzw. Feiertagen richten." (Pfarrerskind 31 J.)
  • ... merkt man gar nicht (10 J.)
  • ... viele Leute kennen einen, die man gar nicht kennt (13 J.)
  • ... ein altes Haus und groß mit vielen Fenstern (große Häuser sind cool)
  • ... es ist peinlich, dass andere es hören, wenn wir Kinder uns streiten, weil das Treppenhaus relativ offen ist (14 J.) 
  • ... der Garten ist zu groß, viel Arbeit (14 J.)
  • .. Besucher, die falsch klingeln, nerven. (14 J.)
  • „Leben im Pfarrhaus heißt für mich als Sohn eines Pfarrers…"
  • ... anders gewesen zu sein
  • ... eine besondere Rolle im Dorf gehabt zu haben
  • ... (dadurch) das Gefühl zu bekommen, stärker kontrolliert zu werden
  • ... besondere Werte mitbekommen zu haben, die andere Kinder u.U. weniger stark mitbekommen haben
  • ... eine besondere/außergewöhnliche Kindheit gehabt zu haben
  • ... dass ich in einem Haus lebe, das ich mir selber nie ausgesucht hätte.
  • ... dass ich in einem Haus wohne mit enorm hohem Energieverbrauch und dadurch auch sehr hohen Nebenkosten.
  • ... dass wir immer im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen.
  • ... dass wir kaum zuhause Urlaub machen können, da es dort nur wenig Privatsphäre gibt
  • ... dass ich viel Raum habe und einen schönen großen Garten.
  • ... Leben in der Öffentlichkeit (man kennt die Bewohner, man beobachtet die  Bewohner...)
  • ... Verzicht auf Privatsphäre ("ha bei Pfarrers..., sie brauchen nicht immer extra Biomülltüten kaufen, sie können da auch ruhig Bäckertüten nehmen...)
  • ... Anlaufstelle für die unterschiedlichsten Leute sein (Seelsorgesuchende, Bettler, Hilfesuchende, psychisch Kranke...) - ist aber nicht nur Last
  • ... Ort wo sich unterschiedlichste Menschen begegnen, habe das auch als Bereicherung erlebt, man darf auch nahe an Menschen heran kommen
  • ... zugige Fenster... es ist eigentlich immer kalt!
  • ... der Ort, wo wir unserer Familienleben gestalten, inmitten der Gemeinde, aber auch in Abgrenzung zur Gemeinde
  • ... Lärmbelästigung durch viele Feste – Vermietungen im Gemeindehaus
  • ... viel los im Haus – oft Lärm
  • ... schöne ruhige Wohnlage im Wohngebiet
  • ... Leben auf dem Präsentierteller
  • ... Privat und Dienst schlecht zu trennen   
  • ... Stress durch die ständige Erreichbarkeit
  • ... es kann jederzeit jemand an der Türe stehen
  • ... ständig werde ich aufgehalten an der Tür und unterwegs – viel Zeit für Wege z.B. Einkaufen einplanen
  • ... Klingeln bei den Mahlzeiten
  • ... viele gemeinsame Mahlzeiten mit der Familie
  • ... Trennung von privater und dienstlicher Erreichbarkeit kostet viel Kraft
  • ... Mitarbeiter haben Büros im Haus – bekommen viel vom Familienleben mit – ist mir nicht immer so Recht
  • .. sehr viele Absprachen sind notwendig
  • ... kurzer Weg zur Arbeit
  • ... große Herausforderung  - von Work-Life-Balance – Gefahr von Burnout
  • ... Kontakte zu Freunden und Verwandten sind mühsam, wegen der Arbeit am WO  und weil der Mann oft keine Kraft mehr hat Besuche zu empfangen oder weiter zu fahren – Problem der Vereinsamung, wenn nichts dagegen gemacht
  • .. viele Umzüge
  • ... bei jedem Umzug fängt alles wieder von vorne an 
  • ... Umzug als starke Belastung für die Familie – richtiger Zeitpunkt für die Kinder, wo ist das passende Haus für die Familie, passende Stelle für den Mann, Arbeit der Ehefrau, Nähe zu den älteren Eltern
  • ... Als Pfarrfamilie hat man manche Privilegien
  • ... Durch die Gemeinde lernt man schnell viele Menschenkennen, schnelle Kontakte werden geknüpft
  • .. manche Menschen sind uns gegenüber unsicher und zeigen sich verhalten, nicht so natürlich
  • .. Ehemann ist mehr bei der Familie und kann gleich beraten bei Schwierigkeiten der Kinder
  • ... viele Erwartungen, die auf einen zukommen
  • ... tolle Begegnungen
  • ... es ist viel Arbeit, aber man bekommt von der Gemeinde auch etwas zurück
  • ... eingeschränkter privater Raum
  • ... Beobachtung privater Aktivitäten durch die Gemeinde
  • ... Eindringen in private Räume aber auch
  • ... viele soziale Kontakte
  • ... Small-talk im Treppenhaus
  • ... Aufmerksamkeiten vor und im Haus
  • .. Hilfsangebote im praktischen Bereich durch Gemeindeglieder
  • ... „Im Pfarrhaus brennt Licht“ (das ist gut!)
  • ....viel Musik, Leben und Liebe (Alter 20 Jahre)
  • ... viele Freiheiten zu haben und seiner Kreativität freien Lauf zu lassen (Alter 16 Jahre)
  • ... Umzüge
  • ... „ungebetene Gäste“ an der Haustür
  • ... kaum Feierabend
  • ... Alltag
  • ... v.a. (auf dem Land) in einem öffentlichen Haus zu leben, Abgrenzung ist schwierig
  • ... in alten Bädern und nicht  „auf dem neuesten Stand“ leben
  • ... günstiges Wohnen
  • ... bekannt sein
  • ... nie privat zu sein, einschließlich der Kinder immer moralisches Vorbild zu sein, viel Geld für Küche, Ölheizung brauchen
  • Kind 1: Unter vielen Umzügen gelitten
  • Kind 2: In allen Schulen darauf angesprochen werden („Dein Vater ist Pfarrer, deshalb solltest du so oder so sein“)
  • Kind 3: „Was, das darfst du, obwohl dein Vater Pfarrer ist?“
  • Alle Kinder sind erwachsen.
  • ... Vertrauensvorschuss, aber auch „im Glashaus wohnen“. Aber das Glashaus war schön groß, mit tollem Garten!
  • ... Ständige Präsenz wird erwartet – Urlaub zu Hause geht gar nicht.
  • Unsere Kinder sind jetzt erwachsen, haben sich auf dem Dorf doch auch beobachtet und manchmal in die Privatsphäre eingemischt gefühlt.
  • Ein Ausspruch von Jugendlicher zu Jugendlicher: „Du mit deinem Heiligenschein“ (das musste natürlich mit dem entsprechendem Verhalten revidiert werden!) Doch als Mutter bin ich stolz, dass aus ihnen was geworden ist!!


  • ... großer Vertrauensvorschuss
  • ... in der Öffentlichkeit leben
  • ... allzeit verfügbar
  • ... kein Urlaub zuhause möglich
  • ... viel Platz, großer Garten – viel Arbeit!
  • ... Hohe Heizkosten
  •  ... große Lebendigkeit
  • ... Geborgenheit
  • ... Musik

  • ... dass gefühlt immer jemand da ist, der nicht zur Familie gehört
  • ... dass der Sonntag und die Abende nicht (nur) der Familie gehört
  • ... mit viel Platz in und um's Haus groß zu werden
  • ... dass jeder im Dorf/in der Schule weiß, wo man hingehört
  • ... dass auch mein Vater bei den meisten Mahlzeiten mit am Tisch saß

  • „Leben im Pfarrhaus bedeutet für unseren Sohn (10) viel Platz haben. Leben in einem geräumigen Haus und Garten.
  • …für unsere Tochter (13) auch mal an der Haustür Kontakt mit Hilfsbedürftigen oder Obdachlosen zu haben bzw. zu ertragen.
  • … für mich als Pfarrfrau bedeutet es auch in einem Gebäude zu leben, über das viele andere Menschen noch ein Mitspracherecht haben. Entsprechend werden Erwartungen geäußert, was den Garten etc. betrifft.
  • Als Pfarrfamilie ist man immer Teil des öffentlichen Gemeindelebens und die Gemeinde möchte auch daran teilhaben. Solange die Kinder Interesse an Kirche und Gemeinde zeigen, gelingt das eher.
  • Auch wird es geschätzt, wenn wir als Familie präsent sind.
  • Erwartungen an mich als Pfarrfrau werden geäußert, aber auch akzeptiert, wenn ich mich ablehnend äußere.
  • Für unsere Kinder / für uns als Familie ist es normal, auch mal während der Mahlzeit durch das Klingeln des Telefons oder Haustüre gestört zu werden. Auch ist während der freien Zeit nur ein eingeschränkter Rückzug möglich.
  • Positiv ist auch noch zu vermerken, dass wir immer wieder in den Genuss von Obst und Gemüse kommen, das uns geschenkt wird.
  • Für den Pfarrer / Ehemann und Vater bedeutet es auch, dass Arbeitsplatz und Familie eng beieinander liegen, was sowohl Vor- als auch Nachteile beinhaltet.
  • Geschätzt werden auf jeden Fall die gemeinsamen Mahlzeiten.
  • Ein „eigenes“ Haus zu besitzen ist nicht möglich, oder im Eigenheim zu wohnen.
  • Unsere älteste Tochter (16) kennt auch provozierende Fragen aus ihrem Bekanntenkreis, nach dem Motto „Darfst du das denn als Pfarrerskind?“ (z.B. Rockmusik hören, einen Freund haben…)
  • Unsere Kinder haben aber keine Hemmungen, Freunde ins Pfarrhaus einzuladen.
  • Die meisten stellen dann fest, ein Pfarrer und seine Familie sind auch nur Menschen.
  •  ... Ein Haus zu bewohnen, das wir uns im Großraum Stuttgart niemals leisten könnten.
  • ... Nie ganz privat zu sein, nicht einmal auf der eigenen Terrasse.
  • ... Kämpfen müssen um bauliche Kleinigkeiten wie Lichtschalter, neue Sicherungen, Garagentore etc.
  • ....Nicht wahrgenommen zu werden (als Privatperson / Familiensituation)
  • ... Geborgenheit (Kind 18 J.)
  • …Urlaub zuhause geht nicht, wir „müssen“ wegfahren.
  • …dass ich in einem wunderschönen Haus wohnen kann und das sehr günstig.
  • …es klingelt oft privat, wenn mein Mann nicht da ist.
  •  …jeder weiß, wo wir wohnen. (Tochter, 18)
  • …behütet aufgewachsen (Tochter, 20)
  • …toller großer Garten, zentrale Lage (Tochter, 15)
  •  ... Öffentlichkeit kann nervig und störend sein (w 16, 18)
  • ... Gut erreichbar zu sein, alles erreichen zu können, in der Ortsmitte wohnen (w 16,   
  •    18)
  • ... Nah bei der Kirche zu wohnen (w 16, m 22)
  • ... Geistliche Erziehung zu bekommen (w 16, 18, m 22)
  •  ... Beobachtet werden
  • ... Am neuen Ort schnell Kontakt bekommen
  • ... z.T. auf dem Land immer noch Bild von der Pfarrfrau
  • ... große Wohnung zentral
  • ... hohe Heizkosten
  • ... viele Kontakte haben (oft gut, manchmal lästig)
  •  …da war immer was los.  (Sohn – heute 21 – hat sein Leben von 1,5 bis 18 J. in einem Pfarrhaus auf dem Lande verbracht)
  • …frühes Erlernen von sozialen Fähigkeiten - Telefonate führen, Leuten an der Haustüre begegnen (oft Fremden) – stets freundlich sein, kompetent, diplomatisch
  • …man  ist nie ganz „Privatperson“, immer auch „Pfarrerssohn“
  • …muss Vorbild sein – Konfi-Unterricht, Schule, Jungschar – nicht immer leicht.
  • …sehr positiv: Nähe zur Gemeindearbeit (Gemeindehaus direkt nebenan, Jungschar…)
  • …Sohn, damals ca. 13: „Also Mama, der ganze Haushalt wächst mir langsam über den Kopf!“ (Mutter war den ganzen Nachmittag außer Haus, es hat ständig geklingelt, Anfragen, Schlüssel Gemeindehaus, Telefon…)
  • Das Pfarrhaus bedeutet für mich einen Ort der Geborgenheit und des sich Öffnens, der Spannung von Nähe und Distanz.
  • Auch einfach ein großes Nest für die Familie
  • Für mich als unpraktischen Menschen: immer wieder Helfer aus der Gemeinde, die hier unterstützen.
  • Pfarrhaus bedeutet symbolisch: für mich wird gesorgt, damit ich für andere sorgen kann. (Pfarrer)
  • Mit der Heirat eines Theologiestudenten hat dies auch mit zur Lebensplanung gehört.
  • Bin gerne Pfarrfrau im konservativen Sinn, bringe meine Gaben, Fähigkeiten und sozialen Möglichkeiten gerne in die Gemeinde ein.
  • Es gibt noch sehr viele Menschen in der Gemeinde / am Ort, die diese Lebenshaltung sehr schätzen und dankbar dafür sind.
  • Alles hat seine Grenzen und auch die Umkehrseite.
  • Es gab auch Situationen, wo ich lieber in einem einsamen Forsthaus am Waldrand gewohnt hätte.
  • Die selbstverständlichen „Anforderungen“ an das Leben im Pfarrhaus sind in einer Stadtgemeinde (2 Pfarrstellen) nicht zu vergleichen mit dem Land.   
  • ... Großer Unterschied vom  „Leben im Pfarrhaus“ auf dem Land zu „Leben im Pfarrhaus“ in einer größeren Gemeinde. Familie steht in einer Gemeinde viel eher im Mittelpunkt der kirchlichen Struktur. Das kann teilweise sehr anstrengend für alle Familienmitglieder sein, hat aber auch besonders schöne Seiten. (Pfarrerskind)
  • ... auf dem Präsentierteller zu wohnen. Man steht unter besonderer Beobachtung, sei  
  •    es beim Einkaufsverhalten, An – Abwesenheit, Gartenpflege, Gäste auf der Terrasse.
  • ... Urlaub zu Hause =  keine Erholung, Folge: man muss wegfahren – teuer
  • ... Risiko: wenn dem Mann etwas zustößt, innerhalb von 3 Monaten ausziehen zu müssen.
  •  ... Leben im Blickpunkt, nie so wohnen, wie man es sich selber gestalten würde.
  • ... Verschönerungen oftmals nicht rentabel für die Kürze der Amtszeit.
  • ... Es ist immer ein Kopierer im Haus. J
  •  ... m, 15 J.: technische Ausstattung schlecht.
  • Anmerkung: für Familien mit diversen Computern, Internet, TV und Telefonanlage ist häufig eine aufwändige Nachrüstung der Elektronik erforderlich.
  •  ... Alle wissen, wo man wohnt (positiv und negativ)
  •  ... w, 13 J.: warum kann man sich nicht selber aussuchen, wo man wohnt. Will man etwas verändern (z.B. Solar, Rollläden), erlaubt es der Denkmalschutz nicht.
  • ... allgemein:
  • bei kirchlichen Häusern wird eher auf die Bedürfnisse der Pfarrfamilie eingegangen; bei staatlichen benötigt man viel Ausdauer und Nerven, um Verbesserungen oder längst fällige Renovierungen durchzubekommen.
  •  Pfarrhäuser haben oftmals ein besonderes Flair mit ganz eigenen Geschichten. Trotz mancher Widrigkeiten empfinde ich es auch als Ehre an der Geschichte eines Hauses mitschreiben zu können. 

Meinungen von  Kindern:

  • ...   Papa ist im Büro und ich kann zu ihm gehen 4 J.
  • … große schöne Wohnung toller Garten 4 J.
  • ... gut, wir haben Platz für unsere Katze 4 J.
  • … das Haus ist schön – bei uns gibt es auch einen Gemeindesaal 6 J.
  • ... Das Pfarrhaus ist schön, wenn Gäste kommen haben wir viel Platz zum Spielen. Ich habe hier viele Freunde 7 J.
  • … leben im Pfarrhaus ist dumm, weil wir umziehen mussten7 J.
  • … tolles Spielen im großen Pfarrgarten  9 J.
  • … Pfarrhaus ist für mich in Ordnung  9 J.
  • … wir haben viel Platz, jeder hat ein eigenes Zimmer 11 J.
  • ... Papa ist im Büro und ich kann ihn etwas fragen
  •  ... Unsere Gemeinde finde ich gut
  •  … Wir erfahren mehr von Gott
  •  … Jeder hat ein eigenes Zimmer
  •  … Angst vor dem Umziehen – finde ich wieder neue Freunde? 12 J.
  • ... Ich habe ein großes Zimmer und alle meine Geschwister auch
  • Manchmal ist es komisch zu sagen, dass man Tochter eines Pfarrers ist.
  • Bei uns ist oft Action im Haus und das ist etwas Besonderes. 13 J.
  • ... hässlicher Außenanstrich, schlechte Fenster 13 J
  • ... große Räume sind schön 


  • ... keine Wohnung erst einmal suchen zu müssen.
  • ... die Wohnung beziehen zu müssen, die andere für einen bestimmt haben.
  • ... nur eine vorläufige Bleibe zu haben.
  • ... an einem ungemütlichen Dienst- und Betriebsort meines Mannes bei Tag und Nacht teilzuhaben, der kaum einmal zum echt erholsamen Rückzugsort werden kann.
  • ... in einem eher heruntergekommenen Kasten wohnen zu müssen.
  • ... auf viel Komfort verzichten zu müssen, weil Pfarrhäuser grundsätzlich billig sein müssen.
  • ... Pfarrhäuser sind auf manchen Gebieten auch eine starke Zumutung der     Landeskirche, die als Privileg verkauft wird.
  • ... es ist bitter, aus einem vermeintlichen „Zuhause“ wieder ausziehen zu müssen. (Kind, 11.J.)
  • ... es ist kalt, wenn aufgrund einer ineffizienten Heizung nicht wirklich geheizt werden kann.   (Kind, 14 J.) 

  •  Achtet darauf, dass das Leben im Pfarrhaus weitergeht und die schönen Häuser nicht leer stehen. 
  • Umdenken, dass Ehefrauen inzwischen fast alle berufstätig sind und in die Stellensuche mit einbezogen werden sollten, und nicht über ihre Köpfe hinweg entschieden wird! 
  • Der Beruf eines Pfarrers ist sehr komplex; ist aber ein akademischer in erster Linie. Dafür muss ein Pfarrer, eine Pfarrerin viel zu oft  Mädchen für alles sein: Hausmeistertätigkeiten in Kirche, auf dem Pfarrhof, im GH übernehmen, sich in EDV- Dingen auskennen, Management betreiben usw. 
  • Viel Verwaltung, mitunter unselbstständige Mitarbeiter nehmen viel Zeit in Anspruch, um eine Gemeinde am Laufen zu halten. Zu wenig Unterstützung bei der Gewinnung von Ehrenamtlichen - die Motivation derselben kann viel (Lebens-) Energie kosten. Wieso gibt es keine Kampagne vom OKR aus, die die Bedeutung eines Gemeindelebens bewusst machen?  Die Bezahlung lässt im Vergleich zu vergleichbaren Berufen mit Hochschulabschluss zu wünschen übrig. Mehr Wertschätzung und Anerkennung den Pfarrern, -innen gegenüber ausdrücken. 
  • Dankbar für den vielen Platz, Wohnraum in dieser Größe wäre auf dem freien Wohnungsmarkt nicht einfach zu finden. Gleichzeitig genervt, dass wir in dieser Phase nichts Eigenes kaufen oder bauen können, weil wir es eben nicht selbst bewohnen könnten. Und oftmals als Sekretärin "missbraucht": wer nimmt Pakete an, Dienstpost, Plakate, Informationen, Fragen ... wenn Pfarrer oder Sekretärin nicht da sind. Als Putzfrau "missbraucht" - wer putzt hinter Besuchern her, hinter Handwerkern, die an der denkmalgeschützten Wand etwas reparieren müssen. Als Gärtnerin "missbraucht" - wer muss schon so einen riesigen Garten in Stand halten, mir würde auch ein Drittel reichen. Große Energiekosten im Vergleich zu modernen Einfamilienhäusern. Belästigt durch Proben aus dem Gemeindehaus, die im Sommer bei offenen Fenstern stattfinden, so dass im Pfarrhaus Fenster und Zwischentüren geschlossen werden müssen, um den eigenen Fernseher zu verstehen ... gleichzeitig darf man sich als Pfarrfrau aber auch nicht beschweren ... .Hört sich alles etwas negativ an, meistens lebe ich gerne in diesem Haus! 
  • Wir Pfarrfrauen unterstützen unsere Männer in vielfältiger Weise. Wir stellen unsere Zeit, Kraft, Kreativität und oft auch unseren Lebensraum zur Verfügung, ohne dafür eine z.B. finanzielle Anerkennung zu erhalten.
  • Nun möchte ich dringend bitten, dass wir Pfarrfrauen weiterhin bis zu € 18.000 verdienen dürfen, um noch weiterhin über unsere Männer mit krankenversichert zu sein. Das könnte für mich einen echten Ausgleich darstellen und würden meinen Einsatz wertschätzen!!  
  • Wir haben hohe Kosten – belasten sehr die Familienkasse.
  • Innenrenovierung im Haus während die 6-köpfige Familie drin wohnt – totales Chaos.

 

Gleichgeschlechtliche Paare:

  • Ich wünsche mir mehr Toleranz auch gegenüber gleichgeschlechtlichen Paaren.
  • Die Möglichkeit, dass sie ihre Partnerschaft auch im Pfarrhaus leben können
  • und nicht ausgegrenzt werden und diese unsägliche Diskussion, ob es unnatürlich ist – aufhört und man akzeptiert, dass Schöpfung alles umfasst.                 

  

  • ....beachten: Trennung privater und dienstlicher Räume, separater Briefkasten, uneinsehbarer Garten 
  • ...ich bin gerne Pfarrfrau gewesen und sehr dankbar für die vielen guten Jahre im Pfarrhaus und mit den Gemeinden.
  • Danke der Landeskirche, dass das Ehrenamt Pfarrfrau durch den Pfarrfrauendienst mit seinen Angeboten honoriert wird. 
  • Ohne Einblicke zu haben möchte ich erwähnen (v.a. aus meiner jetzigen Perspektive), dass man das Engagement einer "klassischen Pfarrfrau" nicht überbewerten kann und dass ich hoffe, dass das irgendwie honoriert wird. (Pfarrerstochter) 
  • Danke für die bisherige Anerkennung als Pfarrfrau im Sinne der privatärztlichen Mitversicherung. Diese Leistung ist keineswegs selbstverständlich, aber nach 22 Jahren Unterstützung des Ehemannes würde ich mir eine gewisse „Sicherheit“ auch für die Zukunft und eine Anerkennung im Ruhestand wünschen. 
  • Die herausgehobene Stellung, die ein Pfarrer und damit auch seine Familie hat, wenn er im Pfarrhaus lebt, war für mich schon ein Grund sehr genau zu überlegen, ob ich das für mich und mein Leben will (gerade, weil ich aus einem Pfarrhaushalt komme). Ich kenne viele Pfarrerskinder, für die aufgrund der Erfahrung sich gegen ein Theologiestudium und den Pfarrberuf entschieden haben. Was ich schon immer als schwierig erlebt habe, ist dass persönliche Wünsche (z.B. geringere Nebenkosten), aber auch persönliche Bedürfnisse (z.B. alleinstehender Pfarrer in einem Pfarrhaus mit 10 Zimmern) oft zurückgestellt werden müssen und zwar nicht nur von der Person, die den Beruf gewählt hat, sondern eben auch von der gesamten Familie, die das mitzutragen und manchmal auch auszuhalten hat.
  • Wir sind gerade umgezogen, über das Haus können wir nicht meckern, es ist in einem sehr guten Zustand. Eine neue Arbeitsstelle habe ich auch gefunden. 
  • Pfarrhäuser sollten viel sorgfältiger von Kirchengemeinden betreut werden und finanzielle besser unterfüttert sein.
  • Pfarrhäuser sind ein unendlich leidvolles Streitthema zwischen Kirchenverwaltung und Pfarrfamilie, von „Bauschau“ zu „Bauschau“, jahraus, jahrein.
  • Pfarrhausrichtlinien müssten dazu da sein, wirklich eingehalten und umgesetzt zu werden.

 

 

Antwort einer Pfarrerin

Ich möchte mich als Pfarrerin zu der Umfrage äußern:

Ich habe jahrelang allein (unverheiratet) in einem übergroßen Pfarrhaus mit zugeschlossenen Zimmern mit einem übergroßen Garten gelebt. D.h.: höchste Kosten bei geringstem Komfort (s.u.) Was Familien im Pfarrhaus zu erdulden haben (ständige Erreichbarkeit, ständige Beobachtung...), dass gilt für allein Lebende gleich doppelt. Es hat mich persönlich aber nicht gestört. In jungen Jahren hat das Allein-Leben als Frau eine besondere Begleiterscheinung: man ging nicht davon aus, dass ich eine normale Wohnung brauche. Ich bin in den Jahren des Vikariats und des Pfarrvikariats an jeder Stelle 2mal umgezogen, weil für mich Provisorien angemietet wurden (6 Umzüge in 3 Jahren). 

Nun bin ich verheiratet. Mein Mann ist aus seiner komfortablen Behausung ins absolut reparaturbedürftige mit billigsten Materialien aisgestattetem Pfarrhaus (IKEA PVC Boden im Wohnzimmer, unter dem PVC in Gängen und Schlafzimmer ein verschimmelter Teppichboden, Kellerräume und Wände im Sanitärbereich voller Schimmel) gezogen und erlebt nun eine nie gekannte Rechtlosigkeit eines „Mieters“ gegenüber dem Hauseigentümer. Die absolut asymmetrische Situation zwischen Hauseigentümer und Bewohner nimmt relativ viel Energie in Anspruch. 

Wenn eine Reparatur erfolgt, wird der billigste Ahndwerker genommen, das heißt aber, der Meister schickt seinen Lehrling und nimmt billige Materialien. Das wiederum bedeutet in 90% der Fälle, dass die Reparatur unnötig lange dauert und dass sie oft kurz danach wieder nachgebessert werden muss D.h. man hat ständig Termine, die man statt für die Gemeinde, für die Handwerker freihalten muss (ein Handwerker sagt nicht, er kommt um 9.30 Uhr, sondern, er kommt zwischen 9.00 und 11.00 Uhr) und man muss ständig putzen.