Delegiertentagung des Pfarrfrauendienstes der EKD

in der Ev. Landjugendakademie Altenkirchen /Westerwald

vom 7. – 10. Mai 2012

 

Unter dem Thema  „Auf dem Land daheim - Herausforderungen und Chancen für Pfarrfamilien im ländlichen Raum“ stand die diesjährige Tagung, zu der die Pfarrfrauenvertretung „FLIP – Frauenleben im Pfarrhaus“ der Evang. Kirche im Rheinland eingeladen hatte. 35 Delegierte aus fast allen Landeskirchen der EKD beschäftigten sich mit den Veränderungen und Strukturen des ländlichen Raums und der Rolle der Kirche bzw. der Pfarrfamilie in den sich wandelnden Lebensbezügen.

 

Die Direktorin der Ev. Landjugendakademie Pfarrerin Anke Kreutz hielt eine Bibelarbeit zum Buch „Ruth“. Gemeinsam mit den Delegierten erarbeitete sie die folgende Schwerpunkte: aus Migration und Armut gelingt die Befreiung zur Gemeinschaft – und : aus Erinnerung und Treue zu Gott und den Menschen wächst Zukunft.

 

Diese biblischen Bezüge zum „Leben auf dem Land“ fanden am nächsten Tag im anschaulichen Vortrag von Pfarrer i.R. Dr. Ulf Häbel ihre Fortsetzung und Aktualisierung. Bei den tiefgreifenden Veränderungen durch Land- und Verwaltungsreformen in den letzten Jahrzehnten ist als einzige die Kirche im Dorf geblieben, „sozusagen als ‚letzte Instanz’ für Kultur und Sinngebung“. 4 idealtypische Kulturkreise innerhalb eines Dorfes nannte Ulf Häbel: Alt-Dörfler, Neu-Dörfler, Emanzipierte Dörfler und Randdörfler. Die Kirche hat die einmalige Chance all diese unterschiedlichen Gruppierungen anzusprechen. Denn ihr geht es nicht um die Bewertung eines Menschen nach Tradition, Herkunft oder Leistung, sondern um den ganz individuellen Menschen als Bild Gottes. Wenn Kirche ihre Rolle als Vermittlerin und als Lotse zwischen den alten und neuen Kulturen wahrnimmt, kann neue und kreative Gemeinschaft entstehen. Die Kirche kann die unterschiedlichsten Menschen z.B. an den Runden Tisch holen, um gemeinsame Interessen durchzusetzen. Er nannte das gelungene Beispiel, die Grundschule wieder ins Dorf zurückzuholen. Auch in dörflichen Gemeinden, die keine Pfarrerin oder keinen Pfarrer mehr haben, kann sich der Gedanke entwickeln, gemeinsam etwas bewirken zu wollen. Z.B. entstehen in Mitteldeutschland Initiativen, die ihre Kirchen und Kapellen renovieren und eigene Gottesdienste gestalten.

Die Aufgabe der Kirche ist nicht nur religiöse Dienstleistungen zu erbringen, sondern sie ist mit ihren Mitgliedern auch wesentliche Kulturträgerin.

 

Beim „Gästeabend“ berichtete Larissa Eichholz von ihrem Leben als engagierte kirchliche Mitarbeiterin in Kirgistan, einem vom Islam und Naturreligionen geprägten Land mit unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen. Ihr Mann ist Bischof der Kirgisischen Evang.-Lutherischen Kirche.

 

Gemeinsam waren die Delegierten bei einer Busfahrt „Unterwegs auf dem Land“ und lernten u.a. das Engagement des Sozialreformers Friedrich Wilhelm Raiffeisen für die ländliche Bevölkerung kennen. Er gründete die ersten Genossenschaftsbanken zur Unterstützung mittelloser Landwirte und ihrer Familien.

 

Beim traditionellen „Festlichen Abend“ wurden die Delegierten von OKR Klaus Eberl begrüßt und erlebten nach einem guten Essen das unterhaltsame Kirchenkabarett „Holy Hotline“.

Aus der Arbeit der Pfarrfrauendienste gab es u.a. folgende Information:

als erste und älteste Interessenvertretung für Pfarrfrauen in der EKD muss die Vertretung der Evangelischen Kirche im Rheinland „FLIP – Frauenleben im Pfarrhaus“ ihre Arbeit einstellen. Zu wenig Resonanz seitens der Ehefrauen von Pfarrern zwang zu dieser schweren Entscheidung.

 

In eigener Sache wurde bei der Delegiertentagung die Notwendigkeit eines neuen Logos und eines neuen Namens für den Pfarrfrauendienst in der EKD angesprochen. In Zukunft wird es vermehrt Zusammenschlüsse der Pfarrfrauen- und der Pfarrmännerarbeit in den einzelnen Landeskirchen geben. Auch die gleichgeschlechtlichen Partner (z.B. in der Bremischen Landeskirche) zählen dazu.

Über den neuen Namen konnte keine Einigkeit erzielt werden. Aufgabe der Delegierten ist es nun, Vorschläge zu machen, aus denen der Name mit der größten Zustimmung gewählt wird.

 

Nach dem gemeinsamen Gottesdienst unter dem Thema „Füße auf weiten Raum“ wurden die Delegierten für das kommende Jahr in die Evangelische Kirche von Westfalen eingeladen.

Die nächste Delegiertentagung findet vom 15.-18. April 2013 im Haus Villigst in Schwerte statt.

 

Christine Scheiberg

(Vorsitzende des Pfarrfrauendienstes in Württemberg)