Bericht von der Delegiertentagung des Pfarrfrauendienstes der EKD vom 9. – 12. Mai 2011 in Goslar, Haus Hessenkopf

Den Himmel wieder sehen –

 

- wenn das Alltagsgrau uns zu ersticken droht,

- wenn Berge von Aufgaben sich vor uns auftürmen

- wenn Termine uns zudecken

 

Den Himmel wieder sehen ..

...dazu waren die 40 Delegierten  der Pfarrfrauenvertretungen fast aller Gliedkirchen der EKD im Tagungshaus der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig in Goslar eingeladen.

 

Im vergangenen Jahr hatten Neuwahlen für den Leitungskreis des EKD-Pfarrfrauendienstes stattgefunden. Das damals gewählte Team von 6 Frauen besteht mittlerweile aus 4 Frauen. Zwei Mitglieder des Leitungskreises haben nach Differenzen ihren Rücktritt erklärt.

 

Dem Leitungskreis des Pfarrfrauendienstes der EKD gehören an:

 

  • Yvonne Böll, Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO)   
  •  Doris Münderlein, Evangelisch-.lutherische Kirche  in Bayern
  •  Elisabeth Scheffel, Evangelische Landeskirche in Baden
  •  Dagmar Schmid, Evangelische Kirche in Hessen und Nassau

Die jährlich stattfindende Delegiertentagung stand unter dem Thema „Den Himmel wieder sehen - Ora et labora“ .  Viele Pfarrfrauenvertretungen beschäftigten sich in der Vergangenheit mit dem Thema „Burnout“. Mit Besorgnis sehen viele Ehefrauen die zunehmende berufliche Belastung ihrer Männer und die daraus resultierenden Erschöpfungen und Erkrankungen. Auch die Ehefrauen sind als Folge davon durchaus burnout-gefährdet.

 

 

„Der barmherzige Samariter – Das Leben im Pfarrhaus zwischen Mitfühlen und Loslassen“ war die Überschrift, unter die Frau Oberkirchenrätin Inken Richter-Rethwisch von der EKD in Hannover ihre Bibelarbeit am Dienstagvormittag stellte.

Der barmherzige Samariter hilft dem Verletzten und versorgt ihn. Er trägt ihn nicht alleine, sondern sein Lasttier übernimmt diese Aufgabe. Der Samariter  delegiert die weitere Pflege dann an den Wirt der Herberge  (er lässt los).

Sich nicht allein für alles zuständig fühlen, Hilfe und Unterstützung in Anspruch nehmen, die eigenen Grenzen erkennen - dies kann ein Weg sein, von Anforderungen und Aufgaben nicht überrollt zu werden.

 

 

Am Mittwochvormittag hielt Dr. Martin Grabe ein Referat zu „Burnout – wenn Körper und Seele in Streik treten“. Dr,. Grabe ist Psychiater und Psychotherapeut und arbeitet als Chefarzt in der Klinik Hohe Mark in Oberursel. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist das Thema „Burnout“ .

Der gefährdete Personenkreis zeichnet sich durch bestimmte persönliche Konstellationen aus, den sogenannten „Inneren Antreibern“, die durch frühkindliche Erfahrungen geprägt wurden.

Äußere Bedingungen wie fehlende Tages- und Arbeitsstruktur, Druck durch großes  und unüberschaubares Arbeitspensum, mangelnde Anerkennung  sind wesentliche Faktoren, die eine erschöpfungsbedingte Erkrankung auslösen können.

Einen wirksamen Schutz vor „Burnout“ bieten gute Beziehungen, die regelmäßig und wöchentlich (!) gepflegt werden – zu Freunden, zum Partner, in der Familie, in der Natur, Kunst, beim Sport etc.

 

Auf der spirituellen Ebene gibt es die Möglichkeit, der persönlichen Beziehung zu Gott einen Raum zugeben. Hier ist ein Loslassen möglich, da „Gottes Nähe alles Unfertige umschließt“.

Im Hinblick auf die Burnout-Prophylaxe  nannte Dr. Grabe die Verantwortung des Arbeitgebers. Unklare Strukturen, nicht abgegrenzte Arbeitsfelder tragen zur Unzufriedenheit der Beschäftigten bei.

„Mitarbeitende brauchen das Gefühl in einem verlässlichen Rahmen selbst lohnende Prozesse steuern zu können .“ so Dr. Grabe.

 

Weitere Aspekte zum Thema der Delegiertentagung boten ein Besuch im ZisterzienserKlosterMuseum Walkenried. In seiner Blütezeit hatte das Kloster Wirtschaftstrukturen, die denen heutiger Weltkonzerne vergleichbar sind. Und dennoch (oder gerade deswegen) waren die Tagzeitengebete eine wichtige Unterbrechung der Arbeit und wesentlicher Bestandteil des gemeinschaftlichen Lebens. Dies konnte im mit moderner Technik ausgestattetem Klostermuseum eindrücklich nachempfunden werden.

 

Unter dem Tagesordnungspunkt „Pfarrfrauendienst aktuell“ wurden die Delegierten darüber informiert, dass der Pfarrfrauendienst der Bremischen Evangelischen Kirche sich zur Pfarrpartnerarbeit verändert hat. Zu den Pfarrpartnern zählen die Ehepartner von Pfarrern und Pfarrerinnen, ebenso wie gleichgeschlechtliche Lebensgefährten. Es gilt noch zu klären, ob der homosexuelle Partner eines Pfarrers als (männlicher) Delegierter an der EKD-Delegiertentagung des Pfarrfrauendienstes teilnehmen kann.

 

Ein weiterer Punkt war die Frage der Fürsorgepflicht der Kirchenleitung gegenüber Familienangehörigen im Suspensierungsfall des Pfarrers.

 

Traditionell lädt die gastgebende Landeskirche, in diesem Jahr die evangelisch-lutherische Landeskirche in Braunschweig, zu einem festlichen Abend ein, an dem der Landesbischof Prof. Dr. Friedrich Weber und Frau Oberlandeskichenrätin Brigitte Müller Grußworte sprachen. Für gute Unterhaltung sorgte das musikalische Frauen-Kirchen-Kabarett „Mariendistel“ mit dem Programm „Das bisschen Kirche macht sich von allein“. Die Kabarettistin Gila Freiesleben wusste als ehemalige Pfarrfrau, von was sie sang und scharfzüngig erzählte. 

 

Die Tagung endete mit einem gemeinschaftsstärkenden Gottesdienst unter dem Thema „Den Himmel wieder sehen“.

 

Die Frauen des Teams der Landeskirche in Braunschweig und des Leitungskreis haben eine inhaltlich und strukturell sehr gelungene Tagung  vorbereitet und durchgeführt, die die Delegierten nachhaltig begleiten wird.

 

Zur nächsten EKD-Delegiertentagung wird in die Evangelische Kirche im Rheinland nach Altenkirchen im Westerwald vom 7. – 10. Mai 2012 eingeladen.

 

 

Christine Scheiberg