"Ich muss mich in sieben Teile zerlegen ..."

... so soll Katharina von Bora ihre Rolle als erste Pfarrfrau beschrieben haben. Ein Gefühl, dass auch den am 2. April 2011 im ev. Gemeindehaus von Kirchheim-Ötlingen versammelten Frauen von Vikaren und Pfarrern z. A. zum Teil aus dem Herzen spricht.

 

Neben Beruf oder Studium, Partnerschaft und Familie irgendwo noch diese andere Aufgabe: Pfarrfrau. Ganz ausblenden kann frau dieses „Ehrenamt“ ganz sicher nicht, dafür sorgen allein schon die vielen Umzüge, damit einhergehende Arbeitsstellenwechsel, das Abschiednehmen von alten Freunden und das Öffnen für andere Menschen an neuen Orten. Abgesehen von diesen unvermeidbaren Nebenwirkungen, stellten die Teilnehmerinnen sich aber die Frage: Wie will ich meine Rolle als Pfarrfrau gestalten? Welche Erwartungen werden an mich gestellt und welche Vorstellungen habe ich selbst von dieser Aufgabe?

 

Obwohl die unterschiedlichen Lebenssituationen der Teilnehmerinnen zeigen, dass hier individuelle Lösungen statt allgemeingültiger Postulate gefragt sind, offenbart doch der Blick in die 500-jährige Geschichte der Pfarrfrau (Referentin:  Marie-Luise Buchholz) überraschende Anregungen für die heutige Situation. So findet sich in Katharina von Bora ein erster Anhaltspunkt für die erwerbstätige Pfarrfrau, denn als Frau eines Gelehrten hatte sie für das Einkommen zu sorgen. Weiterhin wird deutlich, dass das Engagement der Pfarrfrauen sich selten auf rein kirchliche Angelegenheiten beschränkte, sondern soziale und politische Verantwortung mit einschloss (Bildungsauftrag, Bahnhofsmission, Widerstand gegen das NS-Regime ...). Und heute? Welche gesellschaftlichen Themen warten auf unsere Einmischung? Wo möchte ich mich in der Gemeinde einbringen? Wie kann ich meinem Mann eine verständnisvolle Seelsorgerin sein, „ein Gegenüber, in konstruktiver Weise widerständig“ (Isolde Carle, 2009)

 

Über all das konnte während eines herrlichen Frühstücks und einem anschließenden Frühlingsspaziergang diskutiert und nachgedacht werden. Und als meine Augen weiter über die blühende Voralb-Landschaft hinwegwandern, da denke ich, dass es doch sehr reich und spannend ist, dieses Leben in sieben Teilen.

 

Anne Rüggemeier