Pilgerwege Kloster Kirchberg

1.- 3. Juli 2011  - „Loslassen und Bewahren“

So, ihr pilgert? – von wo denn?“ war die interessierte Frage einer Bekannten, die ich in den Tagen unseres Pfarrfrauenwochenendes auf dem Kirchberg traf.  „Ach soo – nur hier“ dann die fast enttäuschte Reaktion, wenn ich erzählte, dass wir nicht auf den, sondern auf dem Kirchberg unterwegs seien. Ich komme ins Grübeln: Sind wir keine „echten“ Pilgerinnen, wenn wir nicht von A nach B unterwegs, sondern „nur“ immer wieder vom selben Ort neu aufbrechen? Was bedeutet Pilgern eigentlich? Das Wort kommt vom lateinischen peregrinus / peregrina und bedeutet eigentlich „der /die Fremde“, der/die nicht an den Ort gehört, wo er/sie gerade ist. Also sind die unter uns, die zum ersten Mal auf dem Kirchberg sind, die echten Pilgerinnen – ich, der dieser Ort so vertraut ist wie sonst kaum einer, gehöre also nicht dazu!?  Ist die Frage einer unserer Teilnehmerinnen berechtigt: „Darf ich in den Stillen Garten gehen, wenn da ein Schild hängt:  „Nur für Hausgäste“? Beginnt hier der Satz des Apostels Paulus „So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen“ (Eph. 2,19 ) sich in lauter Fragezeichen zu verwandeln?
Wer ist Gast, wer ist Hausgenosse – wann wird der Gast und der Fremdling (also der Pilger) zum Hausgenossen?
Genug gegrübelt! Fazit ist: Wir waren unterwegs. Wir – das waren 13 württembergische Pfarrfrauen aus den verschiedensten Ecken der Landeskirche, verschiedensten Alters und mit ihren eigenen Lebensgeschichten. Sie alle wollten sich darauf einlassen, miteinander Wege zu gehen, zu reden, zu schweigen, zu singen, zu beten, Kummer zu teilen, aber auch zu lachen. Nur zwei Tage, aber sie genügten, um eine Gemeinschaft und tiefe Verbundenheit entstehen zu lassen.
Die Wege um den Kirchberg sind vielfältig: steil und steinig, eben und weiträumig, von heißer Sonne beschienen oder schattig im Wald. Wie steil der Weg zum Himmel sein kann, zeigte die „Himmelsleiter“, die zum alten Haigerlocher Judenfriedhof mitten im Wald führt. Den eigenen Lebensweg konnten wir auch auf dem Klostergelände unter die Füße nehmen: ein Labyrinth nach dem Vorbild von Chartres lädt zur Besinnung ein. Stundengebete nach der alten Tradition der Dominikanerinnen sind Ruhepunkte im Tagesverlauf. So waren die Tage gegliedert in Bewegung und Ruhe und geeignet, wieder den Weg zu sich selber zu finden, sensibel und behutsam angeleitet durch Christine Scheiberg und Christine Haag. „Loslassen und bewahren“ wurde auch in Ritualen geübt: Sammeln und wieder abgeben stellte vor manche Herausforderungen; das Verbrennen dessen, was nicht mehr weiter mitgeschleppt werden sollte, befreite von mancher Altlast. Fröhlich und erholt trennten wir uns am Sonntag, um in den Alltag zurückzukehren – in der Vorfreude auf das nächste Pilgerwochenende 2012 in Bad Urach. Pilgern im Kloster Kirchberg

Kloster Kirchberg – auf dem Kleinen Heuberg inmitten von Wald und Wiesen zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb gelegen – war von 1237 bis 1806 ein Dominikanerinnenkloster. Seit 1958 beherbergen die alten Mauern eine Tagungsstätte, die den Namen Berneuchener Haus trägt und bewusst die klösterliche Tradition fortführt, z.B. in den vier Tagzeitengebeten. Den Mitgliedern der Berneuchener Gemeinschaften ist die ökumenische Gastfreundschaft und Offenheit wichtig.
Auf dem Klostergelände entstand im April 2006 ein Labyrinth nach dem Vorbild von Chartres, gebaut von einer Gruppe von freiwilligen Helfer/innen unter Anleitung von Pfr. Ulrich Koring.
Nach Ankunft, Abendessen und kurzer Begrüßungsrunde zog dieses Labyrinth die Teilnehmerinnen des Pilgerwochenendes in seinen Bann. 13 Pfarrfrauen aus der Württembergischen Landeskirche nahmen es unter ihre Füße. Sie machten dabei ganz unterschiedliche Erfahrungen – von tiefer Ergriffenheit über den eigenen Lebensweg bis zu der Erkenntnis: „Damit kann ich nichts anfangen – aber ich habe die Abendstimmung genossen, den umherflitzenden Schwalben zugeschaut und meine Gedanken schweifen lassen“.
Die Ruhe des Ortes stimmte ein auf die kommenden Tage, an denen immer wieder neue Wege um den und zum Kirchberg gegangen wurden.

                                                                                                                      Brigitte Koring

 

In das wunderschöne abgelegene Kloster Kirchberg waren wir Pfarrfrauen eingeladen, um unter dem Thema „Loslassen und bewahren“ eine vielseitige und abwechslungsreiche Tagung zu erleben. Bereits am ersten Abend starteten wir mit der Begehung des Labyrinths. Unvermutete Richtungsänderungen, sich wieder fortbewegen müssen vom fast erreichten Ziel und doch in der Mitte ankommen, waren interessante Erfahrungen, die wir mit unserem Leben verbinden konnten. Nach einer Vorstellungsrunde und einem Impuls hatten wir Zeit uns in gemütlicher Runde kennen zu lernen bzw. alte Beziehungen aufleben zu lassen.

Auch am nächsten Tag waren wir, wie schon am Abend zuvor, eingeladen an den Gebeten der Berneuchener Gemeinschaften teilzunehmen. Nach dem Frühstück konnten wir dann zunächst unter kundiger Leitung das Kloster kennen lernen. Ein erster Pilgerweg führte uns anschließend auf den Wandbühl mit seiner herrlichen Aussicht und in die Gartenanlagen des Klosters. Gemeinsames Singen und geistliche Impulse begleiteten uns durch den Vormittag.

Der Nachmittag ließ uns dann die Umgebung des Klosters erwandern. Auf und ab durch Wiesen und Wald: bei herrlichem Sonnenschein durften wir sammeln und mussten abgeben. Wir erstiegen die Himmelsleiter und hielten inne beim Judenfriedhof. Gespräche und Strecken des Schweigens, gemeinsames Singen und Hören rundeten auch hier die Wegstrecke ab. Voller Eindrücke kehrten wir zurück in die Klostermauern, in denen wir wieder lukullisch von der Küche verwöhnt wurden. Auch der Abend stand dann noch einmal ganz im Zeichen des Themas. „Was wollt ihr loslassen, was bewahren?“ Gerade im Hinblick auf unsere Rolle als Pfarrfrau, die durch Umzüge immer wieder gefordert ist, sich auf Neues einzulassen, konnten wir hier unser Leben reflektieren.

Nach dem Frühstück am Sonntag machten wir uns noch einmal auf den Weg und begegneten den Frauen Maria und Maria Magdalena auf ihrem Weg zum Grab am Ostermorgen und hatten teil an ihrer Begegnung mit dem Engel am Grab und schließlich mit Jesus selbst. Viel zu schnell verging die Zeit und nach einer Abschiedsrunde und einem leckeren Mittagessen hieß es schon wieder Abschied nehmen. 

Bleibt nur uns ganz herzlich bei Christine Scheiberg und Christine Haag zu bedanken, die diese Tagung vorbereitet und uns behutsam „an feinen Fäden“ durch  das Wochenende geführt hatten. Trotz des vielseitigen Programms war uns auch genug Zeit zum Austausch und zur inneren Einkehr geblieben. Und so haben wir bewegt und erholt nach der rundum gelungenen Tagung die Heimreise wieder angetreten.

 

Gabriele Leibold, Blaubeuren-Seissen