Mama mia

Zur Fischbachtagung vom 8.-11. Oktober 2012

 

Alles begann mit Kindheitserinnerungen an unsere Mütter. Wir brachten Gegenstände und Gefühle mit, die wir mit unserer Mutter verbanden, legten sie in die Mitte oder eben den anderen Teilnehmerinnen ans Herz . Freude wie auch Trauer mischten sich im Austausch, und schon an diesem ersten Abend wurde klar, wie vielschichtig das Thema „Mutter“ für uns war.

 

Selbst gekochte Marmelade, selbst genähte Röckchen, unzählig oft gebackene Flachswickel und vielfach gebrauchte Penatencreme für wunde Kinderhaut verbanden sich mit Geschichten, die so eben nur das Leben schreiben kann.

 

Und zur Kindheit gehören auch Märchen, die oft von guten, aber auch bösen Müttern handeln. Ein Riesenspaß wurde es, als das Leitungsteam seinen Kostümkoffer präsentierte und plötzlich Rotkäppchen durch den Wald spazierte und seine Großmutter besuchen wollte oder Schneewittchen bei den sieben Zwergen Unterschlupf fand. Auch so kann es gehen, dass Kobolde Mütterlichkeit entwickeln. Von der Mütterlichkeit ganz allgemein und vom großen Mythos der Mutter quer durch die Kulturen und Jahrhunderte war in Referaten die Rede. Besonders anschaulich stellte uns Angelika Marstaller vom Leitungsteam Herzogin Wera von Württemberg vor. Genau vor hundert Jahren starb diese engagierte und couragierte Frau, die sich aufgrund ihrer tiefen Glaubensüberzeugung für arme Frauen und Mütter einsetzte. Auf sie gehen die ersten Frauenhäuser im Land zurück, die sogenannten Weraheime.

Im Zentrum des Abschlussgottesdienstes stand dann eine biblische Frau, die Kanaanäerin aus Matthäus 15, die unerschrocken und mutig Jesus um seine Hilfe für ihre kranke Tochter bittet und diese Hilfe von ihm erhält – obwohl sie zunächst von den Jüngern abgewiesen wurde. Die Frau ohne Namen war eine Mutter im besten Sinne: kämpferisch, engagiert und mitfühlend mit dem eigenen Kind. Ihr gebührt eine bleibende Erinnerung.

 

 

Andrea Scholz-Rieker